< SkF-Infoblatt Nr. 4
26.05.2014 14:33 Alter: 3 yrs
Von: Werner Storksberger WN

„Normalität“ führt zurück ins Leben

Mit einem neuen Angebot will der Sozialdienst katholischer Frauen jungen Menschen, die von psychischer Behinderung betroffen sind, den Weg ins tägliche Leben wieder ebnen: Vorübergehend sollen sie in Gastfamilien untergebracht werden und „zur Ruhe“ kommen, so das Konzept.


Sind die Ansprechpartner für Familien, die sich für das JuMeGa-Projekt interessieren: Gertrud Kleingräber vom SkF und Christian Finger aus Oer-Erkenschwick.

Der Vater war Richter, die Mutter Staatsanwältin. Die Tochter sollte eine ähnliche akademische Karriere machen. Entsprechend groß war der Druck der Eltern. Zu groß für die 16-Jährige. Sie wurde magersüchtig, begann sich zu ritzen. Der Weg aus dieser Sackgasse führte über eine „Ausquartierung“ in eine Gastfamilie. Die 16-Jährige zog für 13 Monate in eine „ganz normale“ Familie, die eine Pizzeria betrieb. Diese „Normalität“ brachte sie zurück ins Leben. „Sie hat ihr Leben wieder in den Griff bekommen“, berichtete jetzt Gertrud Kleingräber vom Sozialdienst katholischer Frauen. Die 16-Jährige war der Ausgangspunkt für ein neues Betreuungskonzept, das jetzt auch der Sozialdienst in Lüdinghausen anbietet: „Junge Menschen in Gastfamilien“ (JuMeGa) ist eine Alternative zur Unterbringung in anderen Einrichtungen.

Das Schicksal der 16-Jährigen ist nicht fiktiv. Der Fall ereignete sich in Ravensburg. Dort wurde das pädagogische Konzept entwickelt, das der SkF jetzt in Kooperation mit „Junikum“, der Gesellschaft für Jugendhilfe und Familien St. Agnes aus Oer-Erkenschwick, anbietet. „JuMeGa“ will jungen Menschen, die von psychischen Problemen betroffen oder bedroht sind, helfen. Sie sollen aus der Einrichtung oder der Familie herausgenommen werden „und zur Ruhe kommen“, umschreibt Gertrud Kleingräber die angestrebte Entwicklung. Das kann nur mit Hilfe von Familien passieren, die die jungen Leute auf Zeit aufnehmen.

„Wir suchen Eltern, die mitten im Leben stehen. Eine pädagogische Vorbildung wird überhaupt nicht angestrebt“, umschreibt die JuMeGa-Fachfrau die Voraussetzung für die Gastgeber. Familien, die ländlich wohnen, eventuell Tiere haben und ein ausgeglichenes Leben führen, sind ideal. „Zwischen den Gastgebern und dem Jugendlichen muss es nur ,schnackeln‘“, nennt Kleingräber eine wichtige Voraussetzung. Denn: Der Aufenthalt in der Gastfamilie basiert auf Freiwilligkeit – leibliche Eltern und Jugendliche müssen das wollen. „Der Jugendliche ist natürlich entscheidend an dieser Entwicklung beteiligt.“

Die Rolle des Sozialdienstes besteht in erster Linie darin, Jugendliche und Gastgeber zusammenzubringen und während der Maßnahme zu begleiten. Auch in der Anbahnungsphase sind die JuMeGa-Berater dabei. „Wenn es nicht passt, ist die ganze Aktion auch wieder schnell vorbei“, so Gertrud Kleingräber. Sie ist vom Konzept überzeugt, das bundesweit steigende Zahlen zu verzeichnen hat. Und: Es gibt immer mehr Jugendliche mit psychischen Problemen, für die JuMeGa einen Ausweg darstellen könnte. Bundesweit, so Kleingräber, nehmen 150 Kinder und Jugendliche derzeit an diesem Programm teil.