05.02.2013 16:57 Alter: 5 yrs
Von: Beate Nießen Westf. Nachrichten

„Wellcome-Engel“ Monika Wilde kümmert sich um die Zwillinge von Martina Stöcker Ein „Engel“ für Lukas und Bastian

Seppenrade - Das Leben mit Zwillingen ist anstrengend. Das hat Martina Stöcker erfahren. den Alltag mit den beiden Knirpsen Bastian und Lukas erleichtert ihr die Hilfe durch den „Wellcome-Engel“ Monika Wilde.


Die beiden Racker Bastian (l.) und Lukas freuen sich wie ihre Mama, Martina Stöcker (r.), über jeden Besuch von „Engel“ Monika Wilde (Mitte). Koordinatorin Monika Heitmann bringt Familien und Ehrenamtliche zusammen. Foto: ben

Bastian, Spitzname „Basti“, nimmt seinen ersten Job sehr ernst. Und mit seinen gerade mal zehn Monaten ist er sicher auch der jüngste Türsteher weit und breit. Wobei, das mit dem „Stehen“ will noch nicht so recht klappen. Aber man kann ja auch ganz prima – und obendrein erstaunlich schnell – auf allen Vieren zur Eingangstür krabbeln, wenn es klingelt. „Bei anderen kommt der Hund an die Tür, bei uns macht das Basti“, erklärt seine Mama dem erstaunten Besucher mit einem Augenzwinkern. Martina Stöcker ist selten um einen lustigen Spruch verlegen, besitzt ein gerütteltes Maß an Humor. Und den braucht die 34-Jährige wahrscheinlich auch – vor allem seit sie am 17. Februar vergangenen Jahres Mutter von gleich zwei Söhnen wurde.

Lukas und Bastian heißen die beiden Wonneproppen, die da gerade gut gelaunt im Wohnzimmer herumkrauchen und seit nicht ganz einem Jahr das Leben der gelernten PTA komplett auf den Kopf stellen. „Es gab Momente, da hab‘ ich überlegt, was ich für die beiden wohl bei Ebay bekomme“, witzelt die Seppenraderin beim Glas Apfelschorle auf der gemütlichen Sofaecke. Dass es so weit erst gar nicht kommen musste, das ist vielleicht auch ein Verdienst von Monika Wilde. Sie ist für Martina Stöcker ein rettender Engel, Und das im wahrsten Sinne. Die 47-Jährige ist einer von acht „Wellcome“-Engeln, die zurzeit in Seppenrade und Lüdinghausen jungen Familien unter die Arme greifen.
„»Es gab Momente, da hab‘ ich überlegt, was ich für die beiden wohl bei Ebay bekomme.«“

Martina Stöcker
„Ein paar Stunden Schlaf bekommen, den Kinderarztbesuch mit Zwillingen nicht alleine stemmen, Zeit für einen Großeinkauf im Supermarkt oder einfach nur ungestört unter die Dusche gehen“, der jungen Doppel-Mama fallen spontan ganz viele Dinge ein, die sie tut, wenn Monika Wilde ihr einmal in der Woche für ein paar Stunden die beiden Racker abnimmt.

„Meine eigenen Kinder sind längst groß und ich wollte mir nach dem Tod meines Mannes eine neue Aufgabe suchen“, erzählt Wilde. Eine Bekannte machte sie auf das Wellcome-Projekt aufmerksam. Es folgte ein Einführungsgespräch mit Koordinatorin Monika Heitmann, und nun betreut sie schon ihre dritte Familie – immer ehrenamtlich versteht sich. „Der Umgang mit den Kleinen macht mir unheimlich viele Freude, und ich kann die Mütter ein bisschen entlasten.“ Lediglich das Loslassen falle ihr immer sehr schwer. Nur ein Jahr lang, bis zum ersten Geburtstag, kommen die „Wellcome-Frauen“ in die Familien. Der Kontakt kommt häufig, wie auch bei den Stöckers, über die Hebammen zustande.
„»Der Umgang mit den Kleinen macht mir unheimlich viele Freude, und ich kann die Mütter ein bisschen entlasten.«“

Monika Wilde
„Wir wollen den jungen Müttern eine Ruhepause ermöglichen, etwas Zeit geben, um aufzutanken“, erklärt Koordinatorin Heitmann die Grundidee des mittlerweile bundesweiten Projekts. Fast alle „Engel“ sind selbst Mütter, kennen den Stress junger Mütter aus eigener Erfahrung. „Nicht überall stehen Großeltern oder Tanten als Unterstützung parat. Und auch diese Unterstützung möchte man ja nicht dauernd in Anspruch nehmen“, so Heitmann.
„»Wir wollen den jungen Müttern eine Ruhepause ermöglichen, etwas Zeit geben, um aufzutanken.«“

Monika Heitmann
Martina Stöcker nickt zustimmend, ihre Schwiegermutter habe ihr gerade in den ersten Wochen sehr geholfen, „aber wenn Frau Wilde kommt, ist das etwas anderes“. Und ihr Mann? Kann der nicht auch mal den Babysitter machen? „Der ist als Fernfahrer die ganze Woche weg. Da bin ich schon auf mich alleine gestellt.“ Auch deswegen hofft sie, dass ihr Engel vielleicht noch ein bisschen länger kommt. „Zwillinge sind schon eine besondere Situation, vielleicht lässt sich da ja was machen“, lässt Monika Heitmann schon mal hoffen. Basti und Lukas fänden es jedenfalls prima. Sie haben ihren Engel schon ganz fest ins Herz geschlossen.